Diskriminierung der Homosexuellen in Russland

Jennifer Schirtz
14 April 2014

Image Credit: Wikimedia Commons

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Homosexualität wurde in Russland schon immer als Tabuthema angesehen. Besonders jetzt, wegen der Olympischen Winterspiele, die in Sotschi ausgetragen wurden, ist das Thema wieder mehr ins Rampenlicht gerückt. Eher schockiert reagieren so einige Westeuropäer die erfahren, dass in Russland Homosexualität noch bis 1999 als eine Form von Geisteskrankheit angesehen wurde. Und obwohl homosexuelle Handlungen seit 1993 als legal bezeichnet werden, ist Russland noch weit von ‘Akzeptanz’, wie wir sie kennen, entfernt.

2013 gerät Russland wieder in die Schlagzeilen wegen eines neu verabschiedeten Gesetzes, das gegen die sogenannte Homo-Propaganda gerichtet ist.

Ob Putin sich im Klaren war welche Auswirkungen dies auf Homosexuelle in Russland haben könnte, sei dahin gestellt. Vielleicht war ein Feldzug gegen Homosexuelle von Anfang an sein Ziel. Fest steht jedoch, dass ein solches Gesetz an eine Legalisierung von Diskriminierung grenzt. Dennoch verlangt Putin, dass andere Länder sich nicht in Russlands Gesetzgebung einmischen. Dies ist zum Teil auf die heftige Kritik aus westlichen Ländern bezogen, darunter auch Deutschland. Wir schreiben das Jahr 2014, und, dessen ungeachtet, werden noch immer Gesetze verabschiedet, welche die Gleichberechtigung der eigenen Landsleute mit Füßen treten.

Leider wird oft ignoriert, welche negativen Auswirkungen ein solches Gesetz auf das Leben der Betroffenen haben wird und was für eine Gefahr es darstellen kann. Kinder sollen laut eben diesem Gesetz keinesfalls homosexueller Propaganda ausgesetzt werden, denn dies würde sich negativ auf ihre Entwicklung auswirken und unter keinen Umständen dürfe Homosexualität sich weiter verbreiten.

Bezieht man sich auf die Ergebnisse einer rezenten Umfrage, die in Russland durchgeführt wurde, klärt sich die Frage nach dem ‘Wieso?’ fast von selbst. 34% der Befragten sehen Homosexualität als Krankheit, 23% als eine schlechte Angewohnheit und 17% sind der Meinung, dass sie das Ergebnis von Verführung sei. Jeder Zweite denkt doch tatsächlich, dass eine psychologische Behandlung Schwule und Lesben umorientieren könne. Diejenigen, die dennoch an ihrer Homosexualität festhalten, werden als Gefahr angesehen. Kinder, die positiven Äußerungen zu Schwulen ausgesetzt sind oder etwa ein homosexuelles Liebespärchen beim Küssen oder Händchen halten in der Öffentlichkeit beobachten, würden geradezu verführt, selbst schwul oder lesbisch zu werden. Die Strafe für ein derartiges Vergehen kann bis zu 25.000 Euro betragen.

Nur die, die sich nicht ‘outen’, sich verstecken und ihre Liebe zum gleichen Geschlecht nur in den eigenen vier Wänden ausleben, sind den Homophoben nicht schutzlos ausgeliefert. Denn die warten nur darauf einem Schwulen über den Weg zu laufen um ihn zu vermöbeln. Dies ist jetzt viel einfacher geworden, denn das neue Gesetz, das so schwammig formuliert wurde, öffnet förmlich die Tore für Schwulenhasser. Die Polizei, Schützer und Helfer, drückt beide Augen zu, wenn Schwule beschimpft, verprügelt, gedemütigt, vergewaltigt oder sogar getötet werden. Denn hier wird Homosexualität gleichgesetzt mit Drogensucht und Kriminalität. Wer homosexuell ist, ist selbst schuld, dass andere sich an einem vergehen. Schließlich geht es darum die unschuldigen Kinder vor solchen Monstern zu schützen. Sogenannte Schwulenclubs, in denen Putins Gesetz nichtig ist, gibt es nur wenige, und die, die existieren, wie beispielsweise der Schwulenclub ‘Majak’ in Sotschi, würde der russische Staat am liebsten verbieten und schließen. Besonders jetzt nach den Winterspielen gleitet Russland wieder mehr ins Abseits. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist geschwunden und ermöglicht es den Forderungen der orthodoxen Kirche und des Staates nachzukommen.

Russland, ein Land in dem homosexuelle Frauen und Männer ein Doppelleben führen, sich verstecken, Freunde und Familie belügen müssen um akzeptiert zu werden und zu überleben. Trauriges, armes Russland!

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